Donnerstag, 25. August 2016

Batumi, wohin geht dein Weg

Nach dem Frühstück steuerte David, der deutlich behender in den Bus stieg als sonst, über Zugdidi und Poti nach Batumi. Hier sollte unsere Reise enden.

Es dauerte nur ein "paar" Kurven im schmalen Tal und wir fuhren wieder auf der Hauptstraße Nr. 7 neben dem Enguri abwärts.
Ein letzter Gruß zum Enguri Stausee und an den hinter uns liegenden Kaukasus.

Sugdidi zeichnet sich durch einen abgebranten Palast, der von einem Nachfahren Napoleons Bonaparte erbaut und z.Z. wieder aufgebaut wird und einer Herzklinik aus. Zum Ende einer dichten Reise geht einem langsam die Luft für Besichtigungen aus. Mehr als eine Durchfahrt erlebte die Stadt dann auch nicht von uns. Wir fahren durch eine Ebene, deren Boden fruchtbar scheint. Die alten Teeplantagen (grusinischer Tee) sind teilweise verwildert oder gerodet. Haselnüsse haben einen höheren Verkaufswert bekommen  und einige Flächen besetzt. Nur so nebenbei: Die Firma Hipp lässt im Lande Gemüse für ihre Babaynahrung anbauen und in einer Fabrik gleich verarbeiten. Alles Bio! Eine Teeplantage suchte gerade Pflückerinnen...
EU Lohnarbeiterinnen


An der Straße reihen sich wieder die bekannten würfligen Häuser aneinander. Vieh schlendert an den Rändern oder stellt sich auf die Straße, als wollten sie mit in die adscharische Hauptstadt genommen werden.

Poti zeigt sich als eine müde Hafenstadt. Touristisch ist ihr nicht viel ab zu gewinnen obwohl hier angeblich Jason der alte Argonaut mit seinen Mannen an Land ging. Wir sehen die Stadt durchs Fenster des Kleinbusses.

Batumi empfängt uns mit seinem subtropischen Klima. Unser Hotel im Hochhaus hat eine Kältemaschine, ein paar Grad weniger würden nach meinem Geschmack ausreichen. 

Gonoi
Wie so oft, die alten Griechen waren schon hier. Ist ja auch nicht all zu weit. Schnell mal um die Ecke und in der tiefen Bucht einen Seehafen gegründet. Der Name Batumi's leitet sich auch vom griechischen "tief" ab.Später kamen dann auch die Römer vorbei. Von ihnen sind noch die Mauern ihrer Festung in Gonio erhalten.

Alte Römer



Wir sind inzwischen 2273,7 km in Georgien unterwegs gewesen und haben uns ein bisschen Ruhe verdient. Alles wird mit einem Abendessen direkt am Meer zu einem guten Abschluss gebracht.

Bartumi, Stadt am schwarzen Meer. Ein klangvoller Name. Etwas geheimnisvolles schwingt im Namen mit. Drehkreuz für Geschäfte, geflüchtete Russen aus dem Zarenreich warten auf eine Passage in eine bessere Zukunft. Erste Erdölpipeline der Welt. Von Baku bis hierher. Die Brüder des Alfred Nobel und die Familie Rothschild investierten in die Erschließung und Förderung des schwarzen Goldes. Alte Blechkanister mit dem Shellemblem sind im Museum zu besichtigen. Heute ist es überwiegend ein Containerhafen.

Wir bewegten uns in der ehemaligen Altstadt.
Den alten Häusern hat das feuchte Klima und die Mangelwirtschaft einen schleichenden Zerfall beschert. Oft sieht es aus, als habe man sich mit dem Erreichbaren beholfen.
Ein StückDraht, unterschiedliche Ziegelsteine, ein vernageltes Fenster oder Dachrinnen am seidenen Blechstück. Balkone wirken, wie kurz vor dem Absturz. In letzter zeit erfolgten notwendigbe Restaurationen. Mit Millinonen EU-Mittel wurde die Brauch- und Abwassersituation verwestlicht, für viele ein enormer Fortschritt. Bei heftigen Regenfällen quillt die Kloake nicht mehr über die Gullis.

Baudenkmäler zeigen wieder ihre alte Pracht und es wird vorstellbar, wie gut es der Stadt früher ging. Trotzdem sind viele Altstadthäuser bedroht und von modernen Hochhäusern eingeengt. Manche der Spekulationsobjekte zieren die Stadt als Skelett. Sie stehen als leere Türme der Unvollkommenheit umher und warten auf Käufer. Wer kann sich eine Wohnung zwischen 500 und 2500 $ schon leisten! In den Höfen der alten Häuser stehen Stühle, Wäsche auf bizarr gewebten Leinen kräuselt sich im Wind. Der morbide Charme der Vergänglichkeit und das Südländische wecken das Interesse des Besuchers.

Vor den kleinen Läden und den Markständen sitzen Verkäuferinnen und Verkäufer und träumen in den vorbeiziehenden Verkehr.
Obst und Gemüse, alles was die Gegend hergibt, werden angeboten. Kleider und Schuhe ergänzen die Stände für den Haushalt. Hier ist alles zu bekommen.  

Und dann der Strand und die Promenade. Sarkaschwili wollte die Promenade bis zur 40 km entfernten türkischen Grenze bauen. Nach 7 km musste er aufgeben. Im Übergangsbereich zum Meer sieht alles ganz westlich aus. Man zeigt was man hat. Zum Abend hin leuchten überall die Bildschirme der Smartphones auf. An langen Krückstöcken werden sie in Position gebracht, um ein Selfi in die ganze 'Welt zu schicken. Die narzistische Selbstinszenierung kennt keine Grenzen. Es wird gepost wie im Dschungelcamp (Selftomania). 



Strand von Batumi


Für die Autofahrer gilt eine Mindestgeschwindigkeit von 70 kmh. Wer langsamer fährt wird aus dem Verkehr gedrängt und kann sehen wie er nach Hause kommt. Der erreichte Vorteil wird durch heftiges Bremsen vor dem nächsten Wagenhindernis wieder zunichte gemacht. Danach geht es aber umso heftiger weiter. Unfälle gab es jedenfalls nicht zu sehen. Geht doch!!!  
Modernes Batumi


Brotladen

Sabine hatte im Internet ein kleines Hotel gebucht, in dem wir noch drei Nächte verbrachten. Bei Stadtbummel  und Strandtag ließen wir die schöne Reise ausklingen.
Backofen mit Brotlaibern













60 € Mindestrente




Wir haben einen guten Eindruck bekommen. Vielen Dank an David und Eka. 





Abendsonne in Batumi
  
 

Mittwoch, 24. August 2016

Betscho, Wanderwelt im Kaukasus

Betscho ist ein ruhiges Bergdorf ein Stück unterhalb des Ushba. An diesem Tag ziehen immer wieder Wolkenfelder über die Berge. Trotzdem ist dieser Ort, der Ausgangspunkt für hochkaukasische Wanderungen ist, spannend zu betrachten.  Auf einer engen kurvenreichen Bergstraße schiebt sich der Bus dem Dorf entgegen. Dort, wo die Hänge zurücktreten und der Grund ebener ist, lohnte es sich Häuser, Scheunen und Ställe zu bauen. An den sanften Hängen ziehen sich Almwiesen bis zum Waldrand empor. Der wild springende Bach spendet das ganze Jahr über frische Feuchtigkeit. Mit seinem geschöpften Wasser wird dem Gemüse gegebn, was es zum Wachsen braucht.

 

 Pünktlkich zum Geläut der Glocke ziehen die Tiere heim. Kühe, Schweine, Schafe und Federvieh zieht es zu ihren Ställen. Dort wartet eine Extraportion Futter auf sie, dass knabbern am kurzen Gras und das Wühlen in harter Erde werden belohnt.

Wir werden mit einem Mahl verwöhnt, welches keine swanetische Köstlichkeit auslässt. Was Küche und Keller hergeben wird auftragen. 
Swanetische Tafel, einfach
 

Die hölzerne Platte ächzt unter dem Gewicht oder sind es unsere Mägen, die trotz der Überfüllung  immer noch eine klitzkleine Köstlichkeit aufnehmen müssen.

Chinkali, mit gut gewürztem Hackfleisch gefüllt




Auf dem Weg ins Bett leuchten uns keine Sterne. Mit einem Gefühl übervoller, gesättigter Trägheit schieben wir die Schlafhose über den Bauch, fallen  schwer auf die Federkernmatratze und versinken unter dem Ushba in einen satten Schlaf. Im Traum sahen wir die Wirtin ins Dorf hinein twitter, dass die Restetafel gedeckt sein. Worauf sich eine Menschenschlange mit Laternen in der Hand auf dem Weg zu unserer UNterkunft machten. Im schwankenden Licht der Hanleuchter schlichen sie durch Holztor, nur nicht die Gäste wecken. Da saßen sie dann alle um den alten Küchentisch, derunter der Last schnaufte. Mitgebrachtes Bier und selbst gekelterter Wein machten die Runde. Jedes Lachen versank in der Armbeuge, man wollte gut zu den Reisenden sein. Kein Wunder, dass man uns auf dem Weg zum Dorf hinaus fröhlich winkend verabschiedete.

Der volle Bauch konnte die grauen Wolken nicht wegdrücken, sie hängen immer noch in den Talfalten des Gebirges und umhüllen die Gipfel. Was tun? Eine Wanderung am Fluß entlang ist angesagt. Sollen wir es wagen? Ohne Großwetterlage ist eine Wetterprognose schwer, besonders wenn die örtlichen Besonderheiten unbekannt sind. Letztlich ziehen wir los. wir fahren ein Stück am Bach entlang stellen im oberen Tal das Auto ab.

Es regnet leicht. Zu erst  muss ein Steg aus dünnen Holzstämmen überquert werden. 

Danach geht es gemächlich aufwärts. Der Weg ist gut markiert.

 Die Tannen duften  und Pfifferlinge grüßen den Wanderer aus dunkelgrünem Moos. Regenwanderungen richten die Aufmerksamkeit auf das Tropfen, dass Laufen des Wassers unter den Schuhsohlen, das Atmen der feuchten Luft. Wird es an meiner rechtenSchulter nass oder ist es der innere Dunst? Schwillt das Rauschen des Baches an? Wird der Regen schlimmer? Müssen wir umkehren?

Zurück am Bus, kam die Sonne raus und trocknete unsere Kleider. Ein kleines Picknick entschädigte uns für die Dusche. Die Wolken lichten sich und die kräftigen Hänge mit ihren felsigen Einschnitten und bewaldeten Rücken kommen zum Vorschein.

Weiter oben zeigen die ersten Gipfel ihr prächtiges Gesicht.

Wir laufen zum Quartier zwischen den Bergwiesen zurück.
Wieder wartet ein üppiges Mahl auf uns...









Am Morgen zeigt sich der Ushba in seiner ganzen größe. 
Ushba im Morgenlicht
 









 
Unsere Reisegruppe
  Ein schöner Abschied. Batumi wartet auf uns.



Ushguli, Europas höchstes Bergdorf

Etwas muss noch zu Mestia geschrieben werden, denn es kann nur mit gemischten Gefühlen besucht werden. Einige der Wehrtürme und Kirchen sind auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes geführt. Und die Altstadt? Sie wurde auf Befehl des damaligen Präsidenten Sarkaschwili abgerissen. Er wollte ein Ferienzentrum aus dem kleinen Städtchen machen. Wahrscheinlich das Davos des Kaukasus.  


Moderner Makgtplatz von Mestia
Hauptstraße von Mestia

Der Skihang Hatsvali, der Flugplatz und der Sessellift sowie einige Hotels stehen auf enteignetem Boden.

Wie in der Geschichte vom vorhergehenden Block anklingt, besitzen die Swanen ihren Grund und Boden seit vielen Jahrhunderten. Per Handschlag, an den sich noch Generationen erinnern, wurde der Besitz weitergegeben. Kein Grundbuch vermerkte in ordentlichen Verwaltungsbuchstaben was wem gehört. Bei der Entwicklung des Dorfes wurde auf Familienbesitz gebaut. Deren Besitzer konnten nur auf Händeschütteln verweisen, dem nicht geglaubt wurde. Viel Unmut wurde geschürt. Angeblich wurde eine Familie, die sich in ihrem Wehrturm verschanzte von Armeehubschraubern angegriffen und zerschossen. So hat man jetzt ein Feriendorf mit modernem, alt aussehendem Marktplatz, wie er in vielen Ferienorten zu sehen ist. Die alte Identität ist verschwunden.
Parkplatz


Die Fahrt mit dem  Sessellift lohnte sich wegen der tollen Aussicht auf den großen Kaukasus. Ganz beeindruckend erhebt sich der Ushba, 4700 m, mit seinen von den Wolken verhangenen Doppelspitzen. Durch das Fernglas sind wuchtige Hängegletscher und steile Flanken zu erkennen. Die Luft ist sommerlich frisch und der weite Blick schwebt schwerelos zum fernen Horizont, an dem sich Berggipfel und Himmel treffen.
Linienbusnach Ushguli


Heute gab es wieder einen Frühstart. Eine Marschrutka (georgisches Personentransportmittel, Kleinbus) soll uns zum rd. 40 km entfernten Bergdorf Ushguli bringen. Nicht nur seine bezaubernde Lage im höchst gelegenen bewohnten Ort des Kaukasus beeindruckt sondern auch die vielen gut erhaltenen Wehrtürme. Seit 1996 ist es Weltkulturerbe. Der Shkara (5068 m), höchster Berg Georgiens erhebt sich über dem Dorf am weiten Talende.

Der alte Georgier hinter dem Steuer des Ford Busses hat den Fremden gezeigt, wie eine unbefestigte Bergstraße zu nehmen  ist.
Ienashi, Dorf vor Ushguli

Straßenarbeiten


Schaukeln und  manchmal röhrend zerrte der Motor die alte Karossse über Loch und Stein. Ständig musste ein Hindernis umfahren werden. Wenn die Landschaft nicht immer wieder schöne Blicke geboten hätte, hätten wir Blut und Wasser geschwituzt.  An einer Stelle war ein Raupenfahrzeug dabei, die abgerutschte Straße wieder aufzufüllen. Nach knapp vier Stunden standen wir auf dem kleinen Parkplatz vor dem Dorf.



Das hübsche weite Tal mit dem Dorf am Fluss lässt vergessen, dass wir alles wieder zurück fahren müssen. Der Fahrer freut sich, dass ich  mit ihm meine Kekse teile. Er hat gute Arbeit geleistet. 

Ein leichter Regen kann  unsere Neugierde nicht bremsen und so wandern wir durch die erdigen Gassen Ushgulis. Der Name leitet sich von tapferes Pferd ab. Alles wirkt, als sei die Zeit hier lange stehen geblieben und erst wieder in den letzten Jahren in Gang gekommen. Die bemoosten Häuser aus geschichtetem Stein sind von Wind und Wetter gegerbt. Manche hat es über die Zeit verschoben. Die Last des winterlichen Schnees hat ein Übriges beigetragen, den Häusern ein schiefes Ansehen zu geben. Ist der Schnee zu hoch bleibt das Dorf über Wochen abgeschnitten.
Shkhara, 5068 m

Höhenzug des Shkhara hinter Ushguli,
entlang des Baches unternahmen wir eine
kleine Wanderung

 Zum Überleben reicht, was der Boden im Sommer über hergab. Hinter den Mauern haben sich alte Bräuche bis heute erhalten. Die Gerichtsbarkeit wird noch von den Dorfältesten übernommen, die Blutrache ist noch nicht ganz
Im Dorf Ushguli

Dorfstraße
vergessen.

Lawinensicher ruht auf einem Buckel zum Gebirge hin das kleines Kloster Lamaria. Ein Fürst, der sich zur Aufgabe gemacht hatte die swanetischen Familien zu einem Volk zu einigen, wurde hier "hinterrücks" erschossen. Hinter einer Mauer verbarg man die Büchse, der Lauf schielte durch ein Loch. Um den Abzug webte man eine Schnur, die so lang war, das sieben Swanen daran ziehen konnten. Sie taten es. Keiner konnte herausfinden, wer der meuchelnde Schütze war. Die Blutrache und die Vereinigung war damit unmöglich geworden. So blieben die Swanen bis zur Sowjetrepublik unter sich. 
Dorfjugend zeigt, was ein Mann ist

Klosterglocken in "Lamaria"
  

















  
Auf dem Weg zur Marschrutka beschlich mich das Gefühl beobachtet zu werden. Die Seelen der Verstorbenen schienen mich zu beobachten. Hatte der Wirt der Gaststätte nicht erzählt, dass die meisten im Dorf bleiben, weil sich die Verstorbenen um die Nachfahren kümmern?