Moderner Makgtplatz von Mestia
| Hauptstraße von Mestia |
Der Skihang Hatsvali, der Flugplatz und der Sessellift sowie einige Hotels stehen auf enteignetem Boden.
Wie in der Geschichte vom vorhergehenden Block anklingt, besitzen die Swanen ihren Grund und Boden seit vielen Jahrhunderten. Per Handschlag, an den sich noch Generationen erinnern, wurde der Besitz weitergegeben. Kein Grundbuch vermerkte in ordentlichen Verwaltungsbuchstaben was wem gehört. Bei der Entwicklung des Dorfes wurde auf Familienbesitz gebaut. Deren Besitzer konnten nur auf Händeschütteln verweisen, dem nicht geglaubt wurde. Viel Unmut wurde geschürt. Angeblich wurde eine Familie, die sich in ihrem Wehrturm verschanzte von Armeehubschraubern angegriffen und zerschossen. So hat man jetzt ein Feriendorf mit modernem, alt aussehendem Marktplatz, wie er in vielen Ferienorten zu sehen ist. Die alte Identität ist verschwunden.
| Parkplatz |
Die Fahrt mit dem Sessellift lohnte sich wegen der tollen Aussicht auf den großen Kaukasus. Ganz beeindruckend erhebt sich der Ushba, 4700 m, mit seinen von den Wolken verhangenen Doppelspitzen. Durch das Fernglas sind wuchtige Hängegletscher und steile Flanken zu erkennen. Die Luft ist sommerlich frisch und der weite Blick schwebt schwerelos zum fernen Horizont, an dem sich Berggipfel und Himmel treffen.
| Linienbusnach Ushguli |
Heute gab es wieder einen Frühstart. Eine Marschrutka (georgisches Personentransportmittel, Kleinbus) soll uns zum rd. 40 km entfernten Bergdorf Ushguli bringen. Nicht nur seine bezaubernde Lage im höchst gelegenen bewohnten Ort des Kaukasus beeindruckt sondern auch die vielen gut erhaltenen Wehrtürme. Seit 1996 ist es Weltkulturerbe. Der Shkara (5068 m), höchster Berg Georgiens erhebt sich über dem Dorf am weiten Talende.
Der alte Georgier hinter dem Steuer des Ford Busses hat den Fremden gezeigt, wie eine unbefestigte Bergstraße zu nehmen ist.
| Ienashi, Dorf vor Ushguli |
| Straßenarbeiten |
Das hübsche weite Tal mit dem Dorf am Fluss lässt vergessen, dass wir alles wieder zurück fahren müssen. Der Fahrer freut sich, dass ich mit ihm meine Kekse teile. Er hat gute Arbeit geleistet.
Ein leichter Regen kann unsere Neugierde nicht bremsen und so wandern wir durch die erdigen Gassen Ushgulis. Der Name leitet sich von tapferes Pferd ab. Alles wirkt, als sei die Zeit hier lange stehen geblieben und erst wieder in den letzten Jahren in Gang gekommen. Die bemoosten Häuser aus geschichtetem Stein sind von Wind und Wetter gegerbt. Manche hat es über die Zeit verschoben. Die Last des winterlichen Schnees hat ein Übriges beigetragen, den Häusern ein schiefes Ansehen zu geben. Ist der Schnee zu hoch bleibt das Dorf über Wochen abgeschnitten.
| Shkhara, 5068 m |
| Höhenzug des Shkhara hinter Ushguli, entlang des Baches unternahmen wir eine kleine Wanderung |
Zum Überleben reicht, was der Boden im Sommer über hergab. Hinter den Mauern haben sich alte Bräuche bis heute erhalten. Die Gerichtsbarkeit wird noch von den Dorfältesten übernommen, die Blutrache ist noch nicht ganz
| Im Dorf Ushguli |
| Dorfstraße |
Lawinensicher ruht auf einem Buckel zum Gebirge hin das kleines Kloster Lamaria. Ein Fürst, der sich zur Aufgabe gemacht hatte die swanetischen Familien zu einem Volk zu einigen, wurde hier "hinterrücks" erschossen. Hinter einer Mauer verbarg man die Büchse, der Lauf schielte durch ein Loch. Um den Abzug webte man eine Schnur, die so lang war, das sieben Swanen daran ziehen konnten. Sie taten es. Keiner konnte herausfinden, wer der meuchelnde Schütze war. Die Blutrache und die Vereinigung war damit unmöglich geworden. So blieben die Swanen bis zur Sowjetrepublik unter sich.
| Dorfjugend zeigt, was ein Mann ist |
| Klosterglocken in "Lamaria" |
Auf dem Weg zur Marschrutka beschlich mich das Gefühl beobachtet zu werden. Die Seelen der Verstorbenen schienen mich zu beobachten. Hatte der Wirt der Gaststätte nicht erzählt, dass die meisten im Dorf bleiben, weil sich die Verstorbenen um die Nachfahren kümmern?
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