Georgischer Wein, weltweit bekannt, wartet heute auf uns. Bevor wir jedoch eine fachkundige Einweisung erhalten, sind noch ein paar Sehenswürdigkeiten zu besuchen.
Vorher nehmen wir einen Abstecher zum Kloster Ngresi.
Es ist das Einzige, in dem Schweine geopfert werden. Abibo, einer der 13 syrischen Missionare, erbaute an diese Stelle eine der ersten Kirchen Georgiens. Dafür hat er sich einen schönen Ort gesucht. Auf einem Vorsprung ragt es über dem Land. Der Zubringer fährt eine steile schmale Straße hinauf. Sie lässt bereits hin und wieder den Blick über das Weite Tal des Alazi zu.
Nach der Wende wurde das Kloster restauriert. Es gibt einen Weinkeller, einen Versammlungsraum und eine Kirche zu besichtigen. In ihrem jetzigen Zustand ist sie von Leon dem Erbauer im 16/17. Jahrhundert errichtet und mit Fresken verschönt worden. Die Heiligen Bilder sind jedoch durch Feuchtigkeit zerstört. Wie so oft steht die Anlage auf heidnischem Boden. Eine heidnische Tempelstätte ist nachgewiesen worden. Fundamente eines alten Tempels sind auf einer Wiese zu sehen. Zoroastrier (Zarathustra), hatten hier ihre Feuerstätte.
Warum werden hier Schweine geopfert?
Wieder einmal waren die Perser brennend und raubend im Lande unterwegs. Eine georgische Familie fühlte sich berufen, das Christentum und sich selbst zu verteidigen. Mit ihrem Vieh im Kirchrund eingeschlossen, boten sie den Eindringlingen die Stirn. Die Belagerer schienen Übermächtig. Das Überleben der Eingeschlossenen hing am seidenen Faden. Da hatte der Opa der Familie eine saugute Idee. Er ließ die hungrigen Schweine auf die Perser los. Die konnten schon aus rein religiösen Gründen mit der Sauerei nichts anfangen und brachen die Belagerung ab. Schwein gehabt!
Bis nach Gremi war es nur eine kurze Fahrt. Hier stehen noch die Reste einer alten Karawanserei und auf einem Felsen thront eine beeindruckende Burg.
Später kam eine Kirche dazu ohne göttlichen Schutz geht eben nichts. Beides zusammen gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Im 17 Jh. kamen wohl die von den Schweinen besiegten Perser vorbei und verschleppten 300.000 Georgier aus der Gegend. Später wurde das Land durch Umsiedler aus Gelati wieder belebt. Ein Museum zeigt Dinge aus der Vergangenheit.
Der Stand damaliger Hygiene war beeindruckend. Wer in die Stadt wollte, musste sich in der vorgelagerten Karawanserei im Badehaus reinigen.
So schnell ging es nicht zur Weinverkostung, ein bisschen neuere Geschichte sollte noch erlebt werden. Die Chavchavaze's bauten sich einen wunderschönen Landsitz, mit Prachtgarten, luftiger Terrasse und Weinkeller. Sie führten die europäische Lebensart in Georgien ein. Ein für damalige Zeiten üblicher Salon, in dem Kunst, Politik und Wissenschaft diskutiert wurde, blieb nicht aus.
Als die Bevölkerung 1884 das Haus abfackelten und plünderten, ahnte sie nicht, welche geistige Pracht in der Asche verglomm. Das Haus und der Garten wurde wieder gerichtet. Zwar nicht mehr in seiner ganzen Ursprünglichkeit aber immer noch hübsch anzusehen. Jetzt ist es ein Museum und eine moderne Galerie. Bekannte europäische Künstler zeigten hier ihre Werke.
Mir gefallen immer wieder die Besuche von Märkten und Basaren. Auf dem Weg zur Weinverkostung schlenderten wir unter dem Dach des Basars von Telawi umher.
Bei der gutmeinenden Sonne durchaus gut gewählt. Faszinierend, wie unterschiedlich Waren feil geboten werden. Kein Wunder, dass mancher vom Durchfall beschlichen werden kann.
Jetzt aber endlich einen Schluck georgischen Wein. Im Weingut Schuchmann besichtigten wir die Kellerei. Ein Dortmunder hat, aus welchen Gründen blieb verborgen, mehrere Millionen in ein Weingut investiert und alles auf den technisch neuesten Stand gebracht.
Halt, nicht ganz. In einer Abteilung stellt er Wein auf gorgische Art her. Traditionell werden bauchige Tonkrüge die nach unten schlank zulaufen im Boden eingelassen. Oben haben sie eine gut Essteller große Öffnung. Ist der Wein gelesen, werden die Trauben zertrampelt und mit Stiel und Schale in diese Gefäße gefüllt. Steindeckel drauf, 21 Tage lang immer wieder unterrühren was oben schwimmt und der Spontangährung seinen Lauf lassen. Dann werden die Reste entfernt, der Steindeckel mit Ton auf den Krug geklebt und alles mit einem Haufen Sand bedeckt. So ruht der Wein nun ein halbes Jahr still vor sich hin. Fertig ist der Wein. Wir konnten während der Fahrt unterschiedliche Qualitäten verkosten. Die Spontangährung gibt den Weinen tatsächlich eine unnachahmliche Note.
In riesigen Stahltanks werden mit auf Hefe gesetzte Weine nach unserem Geschmack hergestellt. Auf der Seidenstraße finden Sie Ihren Weg bis nach China...
Wir tranken Wein aus gleicher Traube nach traditioneller und "moderner" Methode gekeltert. Ich fand die Traditionellen charaktervoller.
Eine wundervolle Reise in ein mir unbekanntes Land. Durch die vielen Beschreibungen und tollen Fotos ist meine Neugier geweckt. Ich freue mich auf eure persönlichen Erzählungen und weitere Fotos. Kommt gut heim!
AntwortenLöschenEine wundervolle Reise in ein mir unbekanntes Land. Durch die vielen Beschreibungen und tollen Fotos ist meine Neugier geweckt. Ich freue mich auf eure persönlichen Erzählungen und weitere Fotos. Kommt gut heim!
AntwortenLöschenWas für ein fantastischer Bericht, Rüdiger: Dich/Euch kann man wirklich auf Reisen schicken.
AntwortenLöschenUnd die Fotos dazu bebildern den Text einfach großartig.
Ich hätte große Lust, euch gleich hinterher zu fahren ... :-)